Energieaudit gem. EDL-G (Produktion - Ölindustrie)

Im Rahmen des Energiedienstleistungsgesetzes durfte ich das Energieaudit für einen Produzenten von Erzeugnissen aus dem Bereich der Öltechnologie übernehmen. Das Energieaudit war nicht nur für die Erfüllung der Pflicht gedacht, sondern sollte auch Informationen für eine Zusammenlegung der bestehenden Standorte sammeln.

Energiebilanz

Die folgende Grafik zeigt die Energieaufteilung der Organisation über sämtliche, betrachteten Standorte auf die zum Einsatz kommenden Anlagengruppen. Die Darstellung zeigt die Aufteilung nach Energiemengen (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).

Aufteilung Energiemengen nach Anlagengruppen der Organisation im Referenzjahr

Lastganganalysen

Im Rahmen des Audits wurden die vorhandenen Lastgangdaten analysiert. Im Folgenden finden sich ein paar Auswertungen für Strom und Erdgas.

Lastganganalyse Strom im Referenzjahr

Lastganganalyse Strom im Referenzjahr

Lastganganalyse Erdgas im Referenzjahr

Vor allem die Analyse des Lastgangs Erdgas zeigt eine einfache, aber sehr sinnvolle Möglichkeit, Kosten einzusparen. Die Jahresmaximalleistung findet sich beim morgendlichen Aufheizen. Ein kurzer Abgleich mit dem Verlauf der Außentemperaturen (vom DWD) ergibt, dass die hohen Lastspitzen bei sehr geringen Außentemperaturen auftreten. Es besteht offensichtlich ein gewichtiger Zusammenhang zwischen morgendlichem Wärmebedarf und Außentemperatur. Da die Heizung jedoch - wie die Spektralanalyse schön zeigt - morgens zu einer festen Zeit in Betrieb genommen wird, ergibt sich ein variabler Bedarf. Ist dieser Bedarf aufgrund der Außentemperatur sehr hoch, entsteht eine hohe Lastspitze für den Erdgasbezug. Zukünftig sollte versucht werden, den Heizbetrieb variabler zu beginnen - zum Beispiel durch eine Anpassung der Programmierung auf Abhängigkeit von der Außentemperatur. Energie wird hierdurch minimal bis gar nicht eingespart - allerdings kann eine hohe Leistung in der Erdgasrechnung vermieden werden und diese liegt im vorliegenden Fall im vierstelligen Bereich. Zusätzlich haben die Mitarbeiter an sehr kalten Tagen nicht das Gefühl, der Arbeitsplatz sei kalt.

gefundene Potenziale

Potenziale für Effizienzen wurden in erster Linie dahingehend gesucht, worauf die Organisation im Hinblick auf den Neubau besonders achten sollte. Daher sind einige Maßnahmen für den Bestand nicht unbedingt sinnvoll, können aber bei einer Berücksichtigung im Rahmen der Neubauplanung von Beginn an Ineffizienzen vermeiden.

  1. PV-Anlage: Die Standorte sind im Wesentlichen typische Gebäude innerhalb eines Gewerbegebiets - bedeutet: Flachdächer, die sich für eine Solarnutzung anbieten. Im Rahmen der Simulation mit Solarerträgen, die das europäische PVGIS zur Verfügung stellt, konnte gezeigt werden, dass die derzeitigen Dachflächen mehr Solarleistung zur Verfügung stellen, als die Organisation benötigt. Um unnötige wirtschaftliche teure Solarstromerzeugung zu vermeiden, wurde neben einer Maximalbelegung eine Solarleistung überprüft, die sich an der Maximalleistung des realen Bezugs orientiert.

  2. Transformatoren: Für einen Standort konnten zwei aktive Transformatoren identifiziert werden, die beide jeweils alleine eine Kapazität aufweisen, welche die Jahresmaximalleistung am Standort übersteigt. Transformatoren weisen funktionsbedingt einen Grundverlust und einen betriebsbedingten Verlust auf. Der Einsatz eines Transformators sollte daher durch eine kleine Differenz zwischen Kapazität und realer Leistung gekennzeichnet sein. Transformatoren, die rein rechnerisch nicht notwendig sind, sollten abgeschaltet werden.
  3. Freie Kühlung: Die Organisation hat Klimasplitgeräte im Einsatz, deren Rückkühler klassisch mittels eines Kompressors das Kühlmedium abkühlen, damit dieses im Gebäude wieder Wärme aufnehmen kann. Die Standorte zeigen jedoch ein Temperaturprofil, nachdem dieser energieintensive Rückkühlprozess nicht notwendig ist. Stattdessen kann die Außenluft in einem Teilbereich zum Vorkühlen oder gar komplett zum Kühlen eingesetzt werden. Bei den derzeit kleinen Rückkühler ist der Aufwand hierfür noch zu groß, beim Neubau sollte die freie Rückkühlung (trocken oder nass) aber konzeptionell mit berücksichtigt werden.
  4. variabler Filterbetrieb: Die Organisation hat an einem Standort sechs Schweiß- und zwei Roboterarbeitsplätze, die an eine zentrale Abluftanlage mit Filter angeschlossenen sind. In der Realität laufen die Motoren für den Filter die gesamte Einsatzzeit auf 100%, obwohl die acht Arbeitsplätze in der gleichen Zeit nicht im Einsatz sind. Sämtliche Arbeitsplätze sollten abdichtende Verschlusskappen (ggf. elektrisch gesteuert) erhalten und die Motoren des Filters mit einem Frequenzumformer ausgestattet werden.
  5. WRG Druckluft: Die an den Standorten befindlichen Druckluftnetze werden regelmäßig geprüft, um die Verluste in Grenzen zu halten. Die Abwärme der Kompressoren selbst wird jedoch nicht aktiv genutzt, sondern verpufft als Wärmeverlust im Kompressorraum.
  6. Beleuchtung: Auch wenn bereits ansatzweise geschehen, so zeigen verschiedene Bereiche an den Standorten noch T8-Leuchtstoffröhren (teilweie mit KVG). Der Neubau sollte von Beginn an mit LED-Technik geplant werden, auch um die dadurch geringere Wärmequelle mit bei der Auslegung des Wärmebedarfs zu berücksichtigen.
  7. Messeinrichtung: Einige Geräte sind in den letzten Jahren mit Stromzählern ausgestattet worden. Das sollte konzeptionell für eine vorausschauende Wartung genutzt werden. Vor allem im Bereich der Druckluft ist es bereits heute möglich, wenn die einfachen Zähler durch rLm-Zähler ergänzt werden (hierfür gibt es W-Lan-taugliche Aufsätze) - der regelmäßige Abgleich mit dem theoretischen Bedarf kann schnell Hinweise auf abweichendes Verhalten und mögliche Leckagen bieten. Dadurch ist ein schnelleres Eingreifen möglich.
  8. Managementsystem: Ein typisches Problem bei der Datensammlung sind fehlende Gerätelisten. Dies führte zu langen Vorarbeiten, bis die eigentlich interessanten Besuche stattfinden konnte. Spätestens mit dem Neubau sollten alle Geräte mit Energiebedarf systematisch gelistet werden. Ein weiterer Vorteil liegt in der mehrfachen Nutzung der Tabellen, so zum Beispiel als Überwachungstool und Datenquelle für Wartungen.

Kundenfeedback

"Guten Morgen Herr Müller, Ich möchte mich auch bei Ihnen für Ihr Engagement in Sachen Energieaudit bedanken! Gerade Ihr Abschlussgespräch hat unserer Geschäftsleitung das Thema näher gebracht und ihr gezeigt, das durchaus großes Potential in Hinblick auf den Neubau möglich ist. Nun liegt es an uns, die genannten Vorschläge anzunehmen und zu realisieren!"

Energieaudit gem. EDLG

Das Energieaudit gem. EDLG betrifft alle Unternehmen, die im weltweiten Verbund nicht der EU-Definition eines KMU entsprechen. Die Durchführungspflicht basiert auf der energy-efficiency-directory.

Energiedientsleistungsgesetz in der Infothek

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